Das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung (vulgo Maske) gilt als eine der wichtigsten Maßnahmen in der Eindämmung der Corona-Pandemie. Viel wurde und wird über den Sinn von Masken diskutiert. Jetzt brachte eine aktuelle Veröffentlichung in der weltweit wichtigsten medizinischen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine einen ganz neuen Aspekt des Maskentragens aufs Tableau. Und der könnte in Anbetracht des vor kurzem bekanntgewordenen Scheiterns einer Corona-Impf-Studie besonderes Augenmerk verdienen.

Seit Jahrzehnten ist das Impfprinzip der Variolation bekannt: Durch die Übertragung von z. B. Pustelinhalt von Pockenerkrankten auf gesunde Menschen (Inokulation genannt) verschaffte man diesen eine gewisse Immunität für zukünftige Pockenansteckungen bzw. bewirkte einen leichteren Krankheitsverlauf. Man verwendete also einen „attenuierten Lebendimpfstoff“. Wenn – diesem Prinzip folgend – ein COVID-19-Erkrankter durch seine Maske einen Gesunden mit Maske anhustet, dann wird der Gesunde nur eben so viel Viren ausgesetzt, dass sein Immunsystem zwar sensibilisiert wird, sich die Erkrankung aber nicht zum Vollbild der COVID-19-Erkrankung ausweiten kann. „Dosis facit venenum“, die Dosis macht das Gift, gilt auch in der Infektiologie. Wie lange eine solche Immunisierung via Maske beim einzelnen für Infektionsschutz sorgt, ist jedoch noch unklar – das ist aber auch bei den aktuell erforschten Impfstoffen der Fall.

Tolle Theorie, guter Gedanke: Wenn also möglichst viele Menschen Masken tragen, führt das möglicherweise zu einer langsamen, zunehmenden Immunisierung der Bevölkerung, so die Idee der Autoren der Arbeit. Das funktioniert allerding womöglich besser mit chirurgischen als mit N95-/FFP2-Masken, den die „einfache“ chirurgische Variante lässt mehr Viruspartikel passieren. Zum jetzigen Kenntnisstand stellt die “Impfung via Maske” aber lediglich eine Hypothese und keine Handlungsempfehlung dar!

Gandhi M et al., N Engl J Med, Epub Sept 8, doi: 10.1056/NEJMp2026913