Eine Hodentorsion, also das Verdrehen des Hodens innerhalb des Hodensacks (Skrotum), stellt immer einen akuten urologischen Notfall dar: Wenn durch die Torsion die Blutversorgung der Keimdrüse abgeschnitten ist, droht das Zugrundegehen des Hodens. Ein bekanntes und auch bereits wissenschaftlich untersuchtes Phänomen der COVID-19-Pandemie ist, dass Patienten seltener, später oder sogar zu spät zum Arzt oder in die Klinik gehen, da sie Angst vor einer SARS-CoV-2-Ansteckung haben. Eine aktuelle Studie aus den USA und Kanada untersuchte nun, ob das auch auf Männer zutrifft, die eine akute Hodentorsion erleiden.

Eine Gruppe von Männern, die dieses Mißgeschick zwischen März und Juli 2020 ereilte, verglich man mit einer “historischen Kohorte” aus der Vor-Corona-Zeit (Januar 2019 bis Februar 2020). Insgesamt evaluierte man 221 Patienten. Während der Pandemie betrug die durchschnittliche Zeit zwischen Symptombeginn und Notfallaufnahme im Krankenhaus 17,9 Stunden. In der Prä-COVID-19-Ära betrug diese Zeitspanne lediglich 7,5 Stunden, was statistisch signifikant kürzer war. Während der Corona-Phase mussten 42% der Männer wegen eines bereits abgestorbenen Hodens orchidektomiert werden, also der Hoden chirurgisch entfernt werden (vor der Pandemie waren es nur 29%).

In dieser Multicenter-Studie konnte gezeigt werden, dass die Angst vor einer Corona-Infektion dazu führt, dass Männer mit einer akuten Hodentorsion häufiger zu spät zum Arzt gehen und deshalb auch häufiger einen Hoden verlieren. Die Autoren sehen es als dringlich notwendig, Menschen in Pandemie-Zeiten darüber aufzuklären, wichtige Arztbesuche wegen der Angst vor Ansteckung nicht zu verzögern oder komplett sein zu lassen. (Autor: Dr. med. Christian Bruer)

Holzman SA et al., J Pedriatr Urol 2021, Epub 19. März 2021, doi: 10.1016/j.jpurol.2021.03.013

Hodentorsion und Corona