In Leitlinien wird bei Empfehlungen für Medikamenten-Dosierungen in den seltensten Fällen zwischen männlichen und weiblichen Patienten unterschieden. Dass das aber nachlässig sein könnte, zeigte eine Studie, die die „geschlechtsspezifische“ Dosierung von Medikamenten gegen Herzinsuffizienz untersuchte. Es wurden die Daten von 1.308 Männern und 402 Frauen mit einer Herzinsuffizient mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) analysiert, die ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) oder Betablocker erhalten hatten.
In der Studie erreichte die gleiche Anzahl Männer wie Frauen die in Leitlinien empfohlene Ziel-Dosierung ihrer HFrEF-Medikation. Bei Männern korrelierte diese 100%-Dosis wie erwartet auch mit dem geringsten Hospitalisierungsrisiko. Frauen hingegen erreichten das für sie geringst-mögliche Krankenhausrisiko (Reduktion um 30%) bei bereits 50% der empfohlenen Dosis – und eine weitere Dosiserhöhung brachte keinen weiteren Nutzen. Oder anders herum gesagt: Frauen wurden in der Real world, die diese Registerdaten widerspiegelten, häufig überdosiert, weil die Leitlinien keine geschlechtsspezifischen Dosierungsempfehlungen geben.
Während der „gender pay gap“ wohl überwiegend negative Auswirkungen auf Frauen haben dürfte, könnte ein „gender dosing gap“ für Frauen durchaus positiv sein, denn höhere bzw. zu hohe Medikamentendosierungen können auch mehr Nebenwirkungen verursachen.

Santema BT et al., http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31792-1